Avignon
Richtungswechsel auf der Europatour. Auf in den Süden mit dem Van. Erstes Ziel die wundervolle Stadt Avignon. Ein Traum den sich Celia endlich erfüllt.
Meine Reise nach Südfrankreich war natürlich nicht die erste – aber eine ganz besondere. Avignon, die Stadt der Päpste, hatte mich schon lange fasziniert. Nicht nur wegen der berühmten Brücke oder der eindrucksvollen Altstadt, sondern auch wegen der Atmosphäre zwischen Mittelalter, Lavendelduft und südfranzösischer Lebensart. Dieses Mal kam ich mit dem Camper – auf der Suche nach Sonne, Geschichte und vielleicht auch ein bisschen Inspiration für den weiteren Weg Richtung Spanien.
Mulhouse – Enge Straßen, laute Stadt und ein Schreck zum Empfang
Ich erreichte Mulhouse im Elsass voller Erwartungen – schließlich klingt schon der Name französisch charmant. Doch die Realität war alles andere als romantisch. Enge, überfüllte Straßen und keinerlei Platz zum Ankommen. Meinen Van durch das Gewirr zu manövrieren war nervenaufreibend. Ich übte Wenden auf engstem Raum und war trotz langer Fahrt auf einmal hoch konzentriert.
Der eigentliche Schock kam dann mit der Nachricht, dass am selben Tag meiner Ankunft ein Mann auf dem Markt mit einem Messer getötet worden war. Plötzlich fühlte sich alles noch bedrückender an. Ich suchte mir eine ruhige Seitenstraße, verriegelte die Türen meines Campers und versuchte zumindest ein paar Stunden Schlaf zu finden. Kein schöner Auftakt – aber auch das gehört zu dieser Reise.
Über Land und Fluss – Ein Tag auf der französischen Autobahn
Am nächsten Tag ging es früh weiter. Ich wollte einfach nur raus aus Mulhouse und auf die offene Straße. Die Route führte mich über die A36 durchs Département Haut-Rhin, vorbei an Belfort, durch das Département Doubs, dann am schönen Besançon vorbei ins Jura. Die Landschaft wurde weiter, sanfter, heller – eine Wohltat nach dem hektischen Start.
Ich wechselte auf die A6 durch das Département Côte-d’Or, quälte mich ein Stück durch Lyon und kam schließlich auf die A7. Ab da wurde es wieder schön: Die Rhône begleitete mich, glitzerte in der Sonne, und die Provence kam langsam in Sicht. Valence rauschte an mir vorbei, bei Orange dann auf die A9 – und schließlich: Avignon. 608 Kilometer später war ich angekommen.
Avignon – Auf den Spuren der Päpste
Mein erster Tag in Avignon begann mit einem imposanten Anblick: dem Papstpalast. Dieses gigantische Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert thront mitten in der Altstadt und zeugt von einer ungewöhnlichen Zeit in der Kirchengeschichte. Von 1309 bis 1377 residierten hier sieben Päpste, denn aufgrund politischer Spannungen verlegte die katholische Kirche ihren Sitz von Rom nach Avignon – ein beispielloser Schritt. Der Palast ist einer der größten gotischen Bauwerke Europas, mit verwinkelten Gängen, monumentalen Sälen und geheimnisvollen Kammern. Besonders faszinierend: In den ehemaligen Schatzkammern wurden erst 1985 versteckte Kirchenschätze unter dicken Steinplatten entdeckt. Man kann förmlich spüren, wie hier über Jahrhunderte hinweg Macht, Intrigen und Spiritualität aufeinandertrafen. Ich lief durch die kühlen Hallen, versank in alten Geschichten und ließ mich von der Stille und Schwere dieses Ortes berühren.
Pont d’Avignon – Eine halbe Brücke mit ganzem Charme
Später am Tag zog es mich zur berühmten Pont Saint-Bénézet, besser bekannt als Pont d’Avignon. Diese Brücke, von der heute nur noch ein Teil erhalten ist, stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert und war einst eine der wichtigsten Rhône-Querungen zwischen Lyon und dem Mittelmeer. Der Legende nach wurde sie von einem Hirtenjungen namens Bénézet auf göttlichen Befehl errichtet – gegen allen Widerstand. Die Brücke wurde mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, bis sie im 17. Jahrhundert endgültig dem wilden Fluss und seinen Hochwassern zum Opfer fiel. Heute führt sie nur noch bis zur Mitte der Rhône – und genau das macht ihren Reiz aus. Ich stand am Geländer und sah zu, wie eine Familie im Kreis tanzend das berühmte Lied „Sur le pont d’Avignon“ sang. Der Wind wehte, die Sonne spiegelte sich im Wasser, und plötzlich war der ganze Trubel der Reise weit weg.
Camping mit Blick auf Geschichte
Für die Nacht fand ich ein kleines Paradies für mein Wohnmobil: den Campingplatz Bagatelle, direkt am Ufer der Rhône gelegen. Von hier aus hatte ich einen herrlichen Blick auf die Altstadt und den angestrahlten Papstpalast. Die Atmosphäre war ruhig, fast feierlich. Ich setzte mich mit meinem frisch gekochtem Ratatouille auf eine Bank, beobachtete das leise Glitzern der Stadtlichter im Fluss und atmete tief durch. Der Lärm von Mulhouse, die lange Fahrt – alles war vergessen. Avignon hatte mich auf seine eigene, stille Weise willkommen geheißen. Und ich war dankbar, diesen besonderen Ort erlebt zu haben. Überglücklich schlief ich sicher im Camper ein. Das nächste Ziel schon im Kopf: Spanien.








