Belgien Vanlife
Mit dem Camper durch Belgien – Vanlife nach 28 Jahren, diesmal hinein nach Wallonien, wo sich Dinant spektakulär zwischen Felsen, Zitadelle und Maas schmiegt.
Nach Luxemburg ging die Reise weiter Richtung Belgien. Von den grünen Tälern der Luxemburger Ardennen führte die Route in das Gebiet der belgischen Ardennen nach Dinant, eine Stadt in Wallonien, direkt an der Maas. Belgien war für Celia kein ganz neues Land. Schon Ende der Neunzigerjahre war sie bei ihrer ersten Vanlife-Tour in Belgien unterwegs. Damals mit einem ganz einfach ausgebauten VW T3 und Baby an Bord. Damals ging es nach Flandern, nach Gent, durch das nördliche Belgien mit einem alten Transporter mit einem Bett und ein paar Kisten drin. Diesmal war die Tour komfortabler mit dem weitaus mehr ausgebauten Renault Master.
Erster Eindruck irrtierend und militärisch
Nach der Fahrt aus Luxemburg nach Belgien parkte Celia zunächst oben bei der Festung. Wie schon zuvor in Verdun begegnete sie auch hier wieder den Spuren der Geschichte. Oben bei der Zitadelle liegt der französische Militärfriedhof von Dinant. Die Angaben schwanken leicht je nach Quelle, aber der Friedhof umfasst rund 1.177 bis 1.200 Kriegsgräber, darunter überwiegend französische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg sowie auch einige Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg.
Das Geschütz direkt am Spielplatz und Café ist wahrscheinlich eine deutsche 2-cm-Flak. Sie erinnert wohl das im August 1914 die Stadt während des Ersten Weltkriegs schwer getroffen wurde. Am 23. August 1914 töteten deutsche Truppen in Dinant 674 Zivilisten, darunter Männer, Frauen und Kinder. Die Stadt wurde geplündert und teilweise zerstört. Dieses Ereignis gehört zu den schwersten deutschen Kriegsverbrechen beim Einmarsch in Belgien und ist bis heute ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in Dinant. Das sind die traurigen Seiten und Geschichten von Europa.
Erst wild kochen und dann auf Entdeckertour
Bevor es zur Besichtigung der Zitadelle ging, stand wieder das kulinarische Länderprojekt an. Ein Ziel dieser Europareise ist es, in jedem Land ein traditionelles Gericht zu entdecken und auf gesunde Weise mit heimischen Wildkräutern nachzukochen. Für Belgien fiel die Wahl auf ein einfaches, bodenständiges Gericht: Endiviensalat mit Stampf, angelehnt an das belgische Stoemp. Stoemp ist ein typisches belgisches Kartoffelgericht, bei dem gestampfte Kartoffeln mit Gemüse vermischt werden. Zudem ist Endiviensalat ein Muss in Belgien. Die Mahlzeit ist einfach, sättigend und genau richtig für die Camperküche.
Nur war die wilde Zutat diesmal nicht sofort gefunden. Celia suchte erst nach passenden Kräutern, aber oben an der Zitadelle war die Auswahl nicht so groß. Aber sie entdeckte einen jungen Lindenbaum. Lindenblätter sind mild, zart und können sehr gut roh oder fein geschnitten verwendet werden. Also wurden die jungen Blätter gesammelt und kamen in die Wildkräuter-Version des belgischen Gerichts. Der herbe Endiviensalat, der weiche Stampf und die frischen Lindenblätter passten wunderbar zusammen, eine kulinarische Überraschung.
Der Besuch der Zitadelle ist ebenfalls empfehlenswert. Bereits im Mittelalter gab es hier Befestigungen, später wurde die Anlage mehrfach zerstört, verändert und wieder aufgebaut. Heute ist die Zitadelle ein Museum und Aussichtspunkt zugleich, die viel über die Geschichte der Stadt, die militärische Vergangenheit und die Kriege erzählt.
Mit der Seilbahn hinunter zur Maas
Von der Zitadelle ging es mit der Seilbahn hinunter Richtung Stadt und Fluss. Das ist ein Highlight und macht für Schwindelfreie richtig Spaß. Man kann die Zitadelle und die Stadt auch über die vielen Stufen erreichen, das erfordert natürlich Kondition. Unten angekommen wirkt Dinant weicher und bunter. Am Fluss entlang zu laufen, tut gut nach den schweren Eindrücken oben. Die Maas fließt ruhig durch die Stadt und es gibt viel Restaurant, Cafés und buntes Treiben an der Promenade, dazu viel belgischen Charme. Bootstouren können unternommenen werden oder auch einfach auf einem Restaurantschiff entspannt werden.
Das Wahrzeichen von Dinant: die Stiftskirche Notre-Dame
Unten an der Maas besuchte Celia dann auch das große Wahrzeichen von Dinant: die Stiftskirche Notre-Dame. Sie steht direkt zwischen Fluss und Felswand, genau unterhalb der Zitadelle, und prägt mit ihrem besonderen Zwiebelturm das ganze Stadtbild. Von außen wirkt sie fast eingeklemmt zwischen der Maas, den bunten Häusern und dem steilen Felsen darüber.
Die Kirche stammt in ihrer heutigen gotischen Form aus dem 13. Jahrhundert. Ein älterer romanischer Vorgängerbau wurde damals durch herabfallende Felsen stark beschädigt. Danach entstand die heutige Kirche, die wieder aufgebaut und später mehrfach verändert wurde. Besonders auffällig ist der birnenförmige Turm, der die Kirche so unverwechselbar macht. Sie ist im gotischen Stil erbaut. Typisch dafür sind die hohen Gewölbe, die spitzen Bögen und der Eindruck, dass sich der Raum nach oben zieht. Besonders schön waren die Höhe des Kirchenschiffs, die besonderen Glasfenster und die ruhige Atmosphäre nach dem Trubel an der Promenade.
Farbenfrohe Häuser, viel Saxophon und buntes Treiben
Dinant ist außerdem die Geburtsstadt von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons. Deshalb begegnet man in der Stadt immer wieder bunten Saxophonen und Hinweisen auf Musik. Besonders auffällig sind die bunten Saxophone auf der Brücke Pont Charles de Gaulle. Es finden natürlich immer wieder Kultur- und Musikveranstaltungen statt. Besonders bekannt ist das Dinant Jazz Festival, das in der Stadt des Saxophons natürlich eine große Bedeutung hat
Direkt davor erinnert eine Statue an Charles de Gaulle, der im Ersten Weltkrieg als junger französischer Offizier bei Dinant verwundet wurde. Auch dadurch verbindet sich an diesem Ort wieder die schöne Geschichte mit der schweren Geschichte Europas.
Nach diesem interessanten Besuch fuhr Celia mit der Seilbahn wieder nach oben zur Zitadelle und suchte sich in der Nähe ein gutes Plätzchen zum Übernachten im Camper aus. Nicht weit entfernt fand sie einen guten kostenfreien Stellplatz zwischen französischen Campern, die gerade mit Rotwein und Käse klassisch ihr Abendessen zelebrierten und sehr freundlich waren.
Tipps für Camper und Vanlifer in Dinant in Belgien
Belgien ist ein vielseitiges Land für Camper, besonders wenn man nicht nur an die Küste fährt, sondern auch Wallonien und die Ardennen entdeckt. Die Region um Dinant lohnt sich, wenn man Flusstäler, Felsen, Geschichte, interessante Orte und schöne Ausblicke mag.
Parken & Übernachten: Mit dem Camper direkt an der Zitadelle von Dinant zu stehen, ist nicht die beste Lösung. Der Parkplatz oben an der Festung ist für Besucher gedacht und wird abends geschlossen. Wer Dinant besuchen möchte, kann dort tagsüber parken. Für die Nacht ist es besser, einen Stellplatz, Campingplatz oder geeigneten Platz außerhalb der touristischen Bereiche zu suchen.
Stadt & Besichtigung: Dinant in Belgien lässt sich gut zu Fuß entdecken. Besonders schön ist die Kombination aus Zitadelle, Seilbahn, Spaziergang an der Maas und Besuch der Stiftskirche Notre-Dame. Wer genug Zeit hat, sollte nicht nur schnell ein Foto von oben machen, sondern auch unten am Fluss entlanglaufen. Die bunten Häuser, die Brücke, die Flaggen und der Blick auf Kirche und Felsen gehören unbedingt dazu.












