Gibraltar

Der Camper muss draußen bleiben – Wanderung über Landebahn zum Europa Point, Seilbahnfahrten, Affenbesuch, Alameda Gardens und Pub-Gefühl zwischen England und Mittelmeer

Gibraltar war einer dieser Orte, die Celia und Roberto unbedingt einmal besuchen wollten. Nicht nur, weil dieser kleine Felsen am südlichen Ende der Iberischen Halbinsel so besonders liegt, sondern weil hier alles ein bisschen anders ist: britisch und mediterran, eng und felsig, historisch und skurril. Ein Ort, an dem man über eine aktive Flugzeuglandebahn läuft, um in die Innenstadt zu kommen. Ein Ort, an dem englisches Frühstück mit spanischer Avocado serviert wird. Und ein Ort, an dem Affen frei auf dem Berg leben, während unten rote Telefonzellen, Pubs und Palmen aufeinandertreffen.

Über Rollfelder in die Stadt und Englisches Frühstück mit spanischer Avocado

Der Camper parkte wunderbar im andalusischen Hafen und für Celia hieß es zu Fuß über die Grenze. Schon die Einreise nach Gibraltar ist besonders. Die Straße in die Innenstadt kreuzt die Start- und Landebahn des Flughafens. Wenn ein Flugzeug startet oder landet, wird die Straße gesperrt. Danach laufen und fahren alle wieder weiter, als wäre das völlig normal. Celia stand als Fußgänger an der roten Ampel und wartete, dass sie übers Rollfeld durfte. Bei Grün ging es los.

Aber warum eine Grenze inmitten der Küste von Spanien? Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel. Der Felsen liegt an der Straße von Gibraltar, dort, wo Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen und Europa nach Afrika schaut. Strategisch war dieser Ort über Jahrhunderte extrem wichtig. Die Briten übernahmen Gibraltar im frühen 18. Jahrhundert, und bis heute ist dieser kleine Ort britisch geprägt, auch wenn Spanien direkt vor der Tür liegt.

Nach dem Ankommen ging es für Celia erstmal in ein Café. Es war Zeit zum frühstücken. Und genau dort zeigte sich diese besondere Mischung aus England und Mittelmeer wieder. Auf dem Teller lag ein englisches, veganes Frühstück, aber serviert mit spanischer Avocado. Die Kellner sprachen Englisch und Spanisch im Wechsel. Good Morning und Buenos días.

Hier gibt es Fish and Chips, Pubs, englische Schilder und britische Supermärkte, aber gleichzeitig mediterrane Luft, spanisches Flair, Palmen und viel mehr Sonne. Es fühlt sich nicht wie England an, aber auch nicht wie Spanien. Gibraltar ist ein eigener kleiner Mikrokosmos zwischen zwei Welten.

Gibraltar Flughafen
Celia und English Breakfast Gibraltar

Wanderung vom Flughafen bis zum Europa Point Leuchtturm 

Celia machte sich Anfang März allein zu Fuß auf den Weg vom Flughafen bis zum Leuchtturm am Europa Point. Das war keine kleine Runde, sondern ein richtiger Marsch einmal durch Gibraltar bis an die Südspitze. Der Weg ist teilweise nicht ungefährlich, da es zum Teilen an Gehwegen fehlt und die Straßen kurvig und nicht gut einsehbar sind. Wer es weniger sportlich mag, kann den Bus nehmen.

Der Europa Point ist einer der markantesten Orte Gibraltars. Hier steht der rot-weiße Leuchtturm, der Europa Point Lighthouse. Er wurde 1841 von Trinity House gebaut und markiert einen wichtigen Punkt am Eingang zum Mittelmeer. Von hier aus schaut man über die Straße von Gibraltar, bei klarer Sicht bis nach Nordafrika. Allerdings war das Wetter im März trüb und regnerisch, passend zu England. 

Celia am Europa Point Lighthouse Gibraltar
Gibraltar

Im Mai nochmal Gibraltar gemeinsam

Im Mai kamen wir zusammen zurück. Diesmal wollten wir nicht nur unten durch die Stadt laufen, sondern hinauf auf den berühmten Felsen. Der Rock of Gibraltar ist nicht einfach nur ein Berg. Er ist das Wahrzeichen des Ortes, ein massiver Kalksteinfelsen, der sich über Gibraltar erhebt und schon von weitem zu sehen ist.

Wir entschieden uns für die Seilbahn. Die Fahrt nach oben ist kurz, aber eindrucksvoll. Unten bleibt die Stadt zurück, dann sieht man den Hafen, die Bucht, Spanien, das Meer und bei gutem Wetter sogar Afrika. Oben angekommen versteht man sofort, warum dieser Felsen militärisch und historisch so bedeutend war. Von hier aus hat man einen fantastischen Überblick über die gesamte Umgebung und die Meerenge sogar unseren Camper Master Ole im Hafen konnten wir erspähen.

Seilbahn am Rock of Gibraltar
Rock of Gibraltar

Die Affen von Gibraltar – süß, frech und nicht zu unterschätzen

Natürlich wollten wir oben auch die berühmten Affen sehen. Genau genommen sind es keine Affen im umgangssprachlichen Sinn, sondern Berberaffen beziehungsweise Berbermakaken. Auf Gibraltar leben sie als einzig frei lebende Berberaffen Europas. Ursprünglich stammen sie aus Nordafrika, aber heute sind sie die heimlichen Stars auf dem Felsen und im Upper Rock Nature Reserve.

Sie sitzen auf Mauern, laufen über Wege, beobachten die Besucher und wirken dabei oft völlig unbeeindruckt. So schön es ist, sie aus der Nähe zu sehen, sollte man trotzdem Respekt haben. Die Affen sind wild. Man sollte sie nicht füttern, nicht anfassen und keine offenen Taschen oder Essen sichtbar herumtragen. Sie sind schnell, neugierig und manchmal ziemlich dreist. Für uns war der Besuch bei den Affen eines der Highlights in Gibraltar.

Affen in Gibraltar
Gibraltar

Alameda Gardens – mediterran, englisch und eine Oase

Nach dem Besuch oben auf dem Felsen ging es wieder hinunter. Danach liefen wir in die Alameda Gardens, den Botanischen Garten von Gibraltar. Und dieser Ort hat uns wirklich gut gefallen.

Die Alameda Gardens wurden 1816 eröffnet. Ursprünglich sollten sie den Menschen in Gibraltar, vor allem auch den Soldaten, einen schattigen Erholungsort bieten. Heute ist der Garten eine ruhige, grüne Oase mit Palmen, alten Bäumen, mediterranen Pflanzen, tollen Kakteen zwischendrin Kanonen und roten Telefonzellen, wieder diese verrückte Gibraltar Mischung – britische Gartenkultur, mediterrane Pflanzenwelt und alte militärische Zeugnisse.

Für uns war das einer der schönsten Orte unten in Gibraltar, ein wunderbarer Ort zum Durchatmen.

Alameda Gardens Botanischer Garten von Gibraltar
Alameda Gardens Botanischer Garten von Gibraltar

Zum Abschluss in den Pub

Zum Abschluss durfte natürlich ein Pub nicht fehlen. Denn Gibraltar ohne Pub wäre irgendwie nicht wirklich britisch. Im Pub ließen wir den Tag ausklingen und unsere Füße erholen. Die reichliche Auswahl an verschiedenen internationalen Bieren machte uns die Auswahl nicht leicht, doch es war herrlich britisch zum Abschluss.

Gibraltar ist klein, aber intensiv. Man braucht nicht viele Tage, um die wichtigsten Orte zu sehen. Aber man sollte sich Zeit nehmen, um diese eigenartige Mischung wirklich wirken zu lassen.

Pub Lord Nelson Gibraltar
Pub Lord Nelson Gibraltar

Tipps für Camper und Vanlifer in Gibraltar 

Gibraltar ist kein klassisches Vanlife-Ziel, aber ein spannender Stopp, wenn man mit dem Camper in Andalusien unterwegs ist. Besonders, wenn man an der Costa del Sol, bei Tarifa, Algeciras oder La Línea de la Concepción ist, lohnt sich ein Tagesausflug.

Parken & Übernachten: Mit dem Camper direkt nach Gibraltar zu fahren, ist keine entspannte Lösung. Die Straßen sind eng, der Verkehr kann nerven, und Parkplätze sind sehr begrenzt. Praktischer ist es oft, auf spanischer Seite in La Línea zu parken und zu Fuß über die Grenze zu gehen. Dann erlebt man auch direkt diesen besonderen Moment auf der Landebahn.

Grenze & Camper: Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet und gehört nicht einfach „normal“ zu Spanien. Auch wenn die Grenze für Tagesbesucher oft unkompliziert wirkt, ist es eine echte Außengrenze mit Einreise- und Zollregeln. Dein Camper kann also kontrolliert werden. Die Zollbehörde von Gibraltar schreibt ausdrücklich, dass selektive Kontrollen durchgeführt werden. Ein Besucher darf sein Fahrzeug nur vorübergehend und für den eigenen Gebrauch einführen, muss es wieder mit ausführen und braucht gültige Fahrzeugpapiere, Führerschein und die passende Versicherung. Zudem musst darauf geachtet werden, größere Warenmengen, Alkohol, Tabak, neuen Einkäufen, Werkzeugen oder allem, was nach gewerblicher Ware aussieht, kann verzollt werden. Beim Wiedereintritt nach Spanien gelten die spanischen Zollfreigrenzen für Reisende aus Drittländern.