Sevilla

 Zweimal nach Sevilla – weil einmal niemals reicht. Mit dem Camper in die schönste Stadt von Andalusien. Erst allein, dann zu zweit und jedes Mal verzaubert.

 

Meine Reise nach Sevilla war so unglaublich schön – eine, die mir besonders in Erinnerung bleiben sollte. Im März hatte ich den Stadttrip perfekt geplant: nicht zu heiß, nicht zu voll, genau die richtige Zeit für einen entspannten Streifzug durch die wohl schönste Stadt Südspaniens. Städtereisen können schnell anstrengend werden – zu viel Trubel, zu wenig Rückzugsort, zu teuer. Doch mit dem Camper hatte ich eine ideale Lösung gefunden: morgens aufwachen am Stadtrand, tagsüber eintauchen in die Gassen, die Farben, den Klang dieser Stadt. Und weil es so wunderbar war – aber viel zu kurz –, kam ich im Mai noch einmal zurück. Diesmal zu zweit. Sevilla hatte mich verzaubert, und ich wollte dies mit Roberto teilen.

Plaza de España – Ankommen in Sevilla

Mein erstes Ziel nach der Busfahrt vom Camper Stellplatz ins Zentrum war der Plaza de España – und ich war sofort überwältigt. Die Märzsonne spiegelte sich auf den Wasserkanälen, Menschen flanierten über die Brücken, und überall leuchteten die farbenfrohen Kacheln im schönsten, mauretanischen Stil. Besonders fasziniert haben mich die gekachelten Landregionen entlang der halbrunden Galerie – dort konnte ich meine bisherige Route durch Südspanien regelrecht nachverfolgen. Es war, als würde meine Reise hier in Sevilla eine Art Kulmination finden.

Beim zweiten Besuch – diesmal mit Roberto – war unser erster Weg ebenfalls genau hierher. Denn diesen Ort wollte ich teilen. Mit seinen Bögen, Ornamenten und der besonderen Atmosphäre ist der Plaza de España für mich das Herz von Sevilla – und ein perfekter Auftakt für das, was die Stadt noch bereithält

Celia in Spanien
Renault Master in Spanien

Torre del Oro, der Goldturm und stolze Spanier in Bronze

Normalerweise meide ich klassische Touri-Routen, aber diesmal war ich überraschend touristisch unterwegs – und es hat sich gelohnt. Nach dem Plaza de España führte mich mein Weg direkt zum Torre del Oro, dem „Goldturm“ am Ufer des Guadalquivir. Der massige, zwölfeckige Turm stammt aus der maurischen Zeit und diente einst zur Verteidigung des Hafens. Früher soll er mit goldenen Kacheln bedeckt gewesen sein. Ich ließ mir Zeit, spazierte am Wasser entlang und genoss die Musik und die tanzenden Menschen auf der Promenade.

Nur ein paar Schritte weiter stand ich plötzlich vor einem der bekanntesten Gebäude der Stadt: der Plaza de Toros de Sevilla. Diese Stierkampfarena gehört zu den ältesten und bedeutendsten ganz Spaniens – sie wurde im 18. Jahrhundert erbaut und fasst heute rund 12.000 Zuschauer. Ihr ovaler Bau, die weißen Fassaden mit den gelben Bögen und das eiserne Tor wirken edel. Ich bin nicht hineingegangen, denn die Schlange zum anstehen, war mir zu lang. Gleich daneben stand ich vor der Bronzestatue eines Toreros, José Gómez Ortega, genannt „Joselito“. Einer der berühmtesten Matadore Spaniens, der hier verewigt wurde. 

Avignon im Februar
Los Alcazares

Pause in der Altstadt und ein geplatzer Traum vom Alcázar

Obwohl es noch März war, war Sevilla schon voller Leben – und voller Menschen. Doch plötzlich, mitten im Trubel, wurde es ruhig. Ich bog in eine der engen Gassen der Altstadt ein – und auf einmal war niemand mehr da. Die Straßen wie leergefegt, die Stadt wirkte fast ausgestorben. Ein Moment, der mich verwunderte – bis sich mein Magen meldete und ich zu ahnen begann, was los war.

Kurz darauf fand ich die Menschen wieder – alle saßen beim Essen. Es war Essenszeit in Sevilla, und die Restaurants, Bodegas und Bistros waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach ein paar Minuten Umherirren landete ich schließlich in der Mercado del Arenal, einer traditionsreichen Markthalle Plaza de Toros de la Maestranza. Früher diente sie der Nahversorgung mit Fleisch, Gemüse und Fisch – heute findet man hier neben frischen Produkten auch kleine Bars und moderne Bistros. Ich entdeckte ein veganes Angebot, das mich überraschte: ein frischer, gesunder Burger – preiswert, sättigend und genau das, was ich gebraucht hatte. Ein kleiner Geheimtipp

Gestärkt machte ich mich auf zur nächsten Sehenswürdigkeit: dem Real Alcázar de Sevilla, dem weltberühmten maurischen Königspalast. Doch dort endete meine Euphorie abrupt – alle Tickets waren bereits ausverkauft. Eine lange Schlange wartete vor dem Eingang, und wie schon bei der Alhambra in Granada hieß es: Heute kein Einlass mehr. Ich war enttäuscht, aber auch nicht ganz unvorbereitet – Sevilla verlangt Geduld.

Beim zweiten Besuch im Mai, diesmal mit Roberto, wagten wir einen neuen Versuch – doch wieder das gleiche Bild. Kein Reinkommen. Stattdessen entdeckten wir direkt davor einen kleinen Kunsthandwerkermarkt mit Keramik, handgefertigtem Schmuck und anderen schönen Dingen. Nicht das, was wir uns vorgenommen hatten – aber ein schöner Trost, ganz ohne Schlange.

Palast der Päpste Camperlifetime
Torrox Costa

Staunen statt Schlange – die größte Kathedrale

Gleich gegenüber vom Alcázar erhebt sich eines der eindrucksvollsten Bauwerke der Stadt: die Kathedrale von Sevilla – offiziell Catedral de Santa María de la Sede. Sie zählt zu den größten gotischen Kathedralen der Welt und wurde im 15. Jahrhundert auf den Grundmauern der ehemaligen Hauptmoschee errichtet. Nur noch der berühmte Glockenturm, die Giralda, erinnert an diese Zeit – einst Minarett, heute eines der Wahrzeichen der Stadt.

Auch hier war das Bild vertraut: lange Warteschlangen, viele Menschen, alles gut organisiert, aber eben auch sehr voll. Und so entschieden wir uns wie schon beim Alcázar: Wir betrachteten das gewaltige Bauwerk von außen – und das war in diesem Moment auch genug. Die filigranen Fassaden, das Lichtspiel auf dem Stein, die Weite des Platzes davor – es war ehrwürdig, beeindruckend und lautlos inmitten der geschäftigen Stadt.

Im Mai, bei meinem zweiten Besuch mit Roberto, schlenderten wir dann noch weiter ohne konkretes Ziel durch die Gassen und ließen uns treiben zwischen bunten Läden, Azulejos (floral verzierte Keramikfliesen), Orangenbäumen und dem flirrenden Licht auf den Hauswänden. Allerdings waren es um diese Jahreszeit schon über 38 Grad und in der Sonne verglühend heiß.

Celia auf der Pont d’Avignon
 Pont d’Avignon im Februar

Flamenco und Sevilla – eine Leidenschaft

Beim zweiten Besuch in Sevilla, diesmal mit Roberto, gönnten wir uns etwas ganz Besonderes: einen Abend mit Flamenco. Einmal ganz nah dran an Musik, Tanz und Gefühl.

Flamenco ist mehr als nur eine Darbietung – er ist Ausdruck von Sehnsucht, Stolz und Schmerz. Entstanden aus den Kulturen der Gitanos, Mauren und Christen, ist er heute UNESCO-Weltkulturerbe und tief mit Andalusien verbunden.

Als die Gitarre erklang, die Sängerin mit rauer Stimme begann und die Tänzerin den ersten Schritt setzte, war es, als würde die Zeit stillstehen. Jeder Takt vibrierte im Raum – kraftvoll, roh, ehrlich. Wir waren bewegt und gleichzeitig erfüllt von dieser Intensität.

Celia’s Tipp: Wer echtes Flamenco-Feeling sucht, wird z.B. im Museo del Baile Flamenco, im Casa de la Memoria oder in einem der kleinen Tablaos in Triana fündig. Früh buchen lohnt sich – die besten Plätze sind schnell vergeben.

Ratatouille mit Wildkraut
Marbella

Las Setas – ein Highlight aus Holz und Licht

Beim zweiten Besuch in Sevilla, im Mai, schafften wir es endlich zu einem Ort, den ich schon beim ersten Mal unbedingt sehen wollte: den Metropol Parasol, von den Einheimischen liebevoll „Las Setas“ – die Pilze von Sevilla genannt.

Ich hatte es im März nicht mehr dorthin geschafft, was mich geärgert hatte – denn moderne Architektur begeistert mich, besonders in Spanien. Und dieser Ort ist wirklich besonders: Eine riesige Holzkonstruktion, die sich wie ein Schwarm riesiger Waben über den Plaza de la Encarnación spannt. Entworfen vom deutschen Architekten Jürgen Mayer H., zählt das Bauwerk zur größten Holzkonstruktion weltweit.

Oben bietet sich ein Rundweg mit Panoramablick über die Dächer Sevillas – am schönsten wohl im Abendlicht. Unten liegt eine Markthalle, Cafés, ein archäologisches Museum und viel Raum zum Schlendern und Staunen.

Ich war glücklich, diesen Ort endlich mit eigenen Augen zu sehen – und ihn mit Roberto zu teilen.

Tarifa
Marbella

Sevilla hat uns in seinen Bann gezogen

Die Mischung aus maurischen Palästen und Türmen, engen Gassen, Plätze und Parks voller Orangenbäume, lebendigem Flamenco, moderner Architektur und dem ganz eigenen Rhythmus des Südens macht Sevilla für mich so einzigartig. Diese Stadt ist mehr als nur ein Ort – sie ist leidenschaftlich, temperamentvoll und wunderschön. Wer einmal hier war, der versteht: Man verliebt sich. In die Farben, die Stimmen, das Leben auf den Plätzen. Und man kommt zurück – so wie ich es getan habe. Denn Sevilla lässt einen nicht mehr los.

Noch ein paar Tipps für Sevilla mit dem Camper:

Parken & Übernachten: In der Innenstadt ist es fast unmöglich zu parken. Besser sind Stellplätze oder Campingplätze etwas außerhalb, von denen Bus oder Fahrrad ins Zentrum führen. Die Bustickets sind recht günstig.

Eintrittskarten vorab buchen: Für den Alcázar und die Kathedrale lohnt es sich unbedingt, frühzeitig online Tickets zu reservieren. Spontan ist es oft aussichtslos.

Sevilla bis in die Nacht genießen: Nimm gute Schuhe mit, etwas zum Trinken und stell dich auf lange Spaziergänge durch die Stadt ein. In der Innenstadt bleibt man sehr lang, da es so viel zu entdecken gibt.