Lappland Nord Norwegen
Reise durch Nord-Norwegen mit dem Camper – ein Van Life Roadtrip durch norwegisches Lappland, zum Nordkap, an Fjorden entlang und durch die wilde Schönheit des Nordens
Nach der Zeit in Schweden und Finnland ging Celias Reise weiter Richtung Norwegen. Sie war nun durch das schwedische Lappland und durch das finnische Lappland gefahren und kam schließlich in den norwegischen Teil von Lappland. Die Berichte über Schweden und Finnland sind ebenfalls im Blog zu finden. Die Freude war groß, den auch diesen Wunsch hegte Celia schon länger, den Norden von Norwegen zu erkunden.
Die 92, Rentiere der Samen und eine lange Fahrt durch Lappland mit hoher Konzentration
Die Fahrt auf der Straße 92 war spannend. Manchmal fühlte sie sich fast wie eine kleine Achterbahn an. Die Straße war hügelig, dadurch nicht gut einsehbar und zog sich durch eine Landschaft, die sich immer mehr veränderte. Die hohen Wälder verschwanden langsam. Stattdessen standen dort fast nur noch schmale Birken, niedrige Sträucher und einzelne Pflanzen auf sandigem Boden. Viele Kilometer lang passierte nichts und wenn man sich hinreißen lies schneller zu fahren, stand wieder ein Rentier auf der Straße. Also höchste Konzentration auf langer Strecke. Und plötzlich war Celia in Norwegen. Nur ein kleines Schild stand als Hinweis neben der Straße.
Celia war im Gebiet der Samen unterwegs, der indigenen Bevölkerung des Nordens. Hier leben viele Rentierherden, und immer wieder kreuzten auch ganze Gruppen die Straße.
Kleine Rentiere hüpften über den Asphalt, ausgewachsene Tiere mit großen Geweihen standen ruhig am Straßenrand oder liefen gemächlich vor den Autos her. Manche wirkten neugierig, andere völlig unbeeindruckt. Für Celia war es wunderschön, diese Tiere so frei in der Landschaft zu sehen.
Der Trip zum Nordkap
Das große Ziel war das Nordkap. Ganz oben. Der Rand Europas. Ein Sehnsuchtsziel für Camper, Motorradfahrer, Radreisende und alle, die einmal so weit wie möglich nach Norden fahren wollen.
Doch die Fahrt bis dorthin zog sich ewig. Die Strecke war herausfordernd, lang und anstrengend. Immer wieder ging es durch karge Landschaften, an Bergen entlang, durch Tunnel, Kurve um Kurve. Die Landschaft war grandios, aber Celia merkte auch: Das Nordkap erreicht man nicht so einfach, wie es auf der Landkarte aussieht.
Je weiter sie fuhr, desto rauer wurde alles. Weniger Bewuchs, mehr Stein, mehr Wind, mehr Weite. Alles wirkte noch einmal nordischer, noch einmal entrückter. Die Welt dort oben wird Stück für Stück leiser und leerer.
Am Nordkap angekommen, stand Celia schließlich auf dem großen Parkplatz. Für ein paar Stunden Parken wurden 10 Euro fällig. Wer ins Café, in die Ausstellung oder in den Shop möchte, zahlt extra Eintritt. Auch die Toilette kostet zusätzlich. Natürlich ist das Nordkap auch sehr touristisch organisiert. Dennoch ist es ein Highlight angekommen zu sein.
Celia machte es auf ihre Weise. Sie aß ihr Abendbrot im Van auf dem Parkplatz, ließ den Ort auf sich wirken und fuhr danach wieder weiter. Statt dort länger zu bleiben, suchte sie sich lieber einen schönen autarken Stellplatz in der Natur.
Autark am Porsangerfjord
Nach dem Nordkap fand Celia einen autarken Stellplatz am Porsangerfjord. Dort wurde es still. Die Sonne ging erst gegen 22:44 Uhr unter und kam schon gegen 2 Uhr wieder zurück. Wirklich dunkel wurde es nicht.
Diese hellen Nächte im Norden sind wunderschön, aber auch seltsam. Man verliert leicht das Gefühl für Zeit. Der Körper versteht nicht mehr richtig, wann Abend ist und wann Nacht. Man bleibt länger wach, schaut hinaus auf den Fjord und merkt kaum, wie spät es eigentlich ist.
Am Porsangerfjord war diese besondere nordische Ruhe zu spüren. Wasser, Weite, Himmel und das Gefühl, weit weg von allem zu sein. Nach der langen und anstrengenden Fahrt zum Nordkap war dieser Platz genau richtig. Trotz Hochsaison hat man im Norden Ruhe.
Alta Museum und der große Moltebeere Moment
Am nächsten Morgen wurde Celia schon um 4 Uhr geweckt. Ein Rabe oder eine Krähe hüpfte laut auf dem Dach ihres Campers herum und krächzte dazu aus voller Kehle. Die Sonne war längst aufgegangen, ungefähr seit 2 Uhr. Zum Glück konnte Celia noch einmal einschlafen.
Später ging es zum Alta Museum. Das Museum gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und zeigt jahrtausendealte Felszeichnungen. Diese Felsbilder erzählen von Menschen, Tieren, Jagd, Ritualen und dem Leben im hohen Norden vor vielen tausend Jahren.
Der Weg durch das Gelände ist wunderschön angelegt. Man läuft draußen durch die Landschaft und entdeckt an den Felsen die alten Zeichnungen. Es ist ein besonderer Ort, weil man dort nicht nur Geschichte anschaut, sondern auch durch eine wundervolle Landschaft läuft.
Doch Celias Herz hüpfte an diesem Tag noch aus einem anderen Grund. Sie entdeckte Moltebeeren. Nicht nur Blätter, nicht nur Pflanzen, sondern tatsächlich Beeren. Seit Jahren wollte sie diese goldorangefarbenen Beeren auf ihren Reisen finden.
Eine Beere pflückte sie heimlich und war überglücklich, endlich diesen Geschmack auf der Zunge zu haben. Für Celia schmeckte sie ein wenig wie eine Mischung aus Apfel und Brombeersaft. So würde sie es jedenfalls einordnen. Nach all den Jahren der Suche war das ein ganz besonderer Reisemoment.
Das Land der Samen – Sápmi
Schon in Alta durfte Celia mehr über die Geschichte und Kultur der Samen erfahren. Sie fuhr durch Sápmi, das traditionelle Siedlungsgebiet der Samen, das sich über den Norden Norwegens, Schwedens, Finnlands und bis nach Russland erstreckt.
Norwegen hat wie auch andere nordische Länder eine Zeit hinter sich, in der es nicht gut mit den Samen umgegangen ist. Über viele Jahrzehnte wurden samische Sprache, Kultur und Lebensweise unterdrückt. Kinder sollten Norwegisch sprechen, samische Namen und Traditionen wurden zurückgedrängt, und die Menschen sollten sich an die Mehrheitsgesellschaft anpassen. Unterwegs sah Celia an einigen Steinen und Mauern Bekundungen wie „Free Sápmi“ oder „Land Back“. Sie erzählen von einem alten Schmerz und von dem Wunsch nach Anerkennung, Selbstbestimmung und Respekt für Land, Sprache und Kultur der Samen.
Nach Alta ging es weiter durch das Schneeland Norwegens. Die Berge wurden höher und zeigten immer mehr Schneefelder. Wieder änderte sich die Landschaft, und Celia war so erfasst von dieser Schönheit, dass ihr fast der Atem wegblieb.
Bei einer Pause traf Celia eine Finnin, die ebenfalls alleine unterwegs war. Sie ging gerade baden – in Gummistiefeln und Badeanzug. Das war so herzerfrischend nett und lustig. Die Finnin erzählte munter auf Englisch, dass sie gerne Krähenbeeren isst und dass diese in Finnland viel größer seien. Außerdem empfahl sie Celia den Koli Nationalpark in Finnland. Nach ihrer Meinung sei das die schönste Gegend Finnlands.
Am späten Nachmittag kam Celia in der Gegend von Manndalen am Lyngenfjord an. Die E6 von Alta nach Manndalen war für sie eine der schönsten Strecken dieser Reise.
Am Lyngenfjord und Kumla Klöße
Am Lyngenfjord fand Celia einen Platz etwas über die Landzunge entfernt von Manndalen. Dort stand sie mit Blick auf diese besondere Landschaft aus Fjord, Bergen und nordischem Licht. Es war einer dieser Orte, an denen man eigentlich nur sitzen, schauen und staunen möchte.
Abends kochte sie noch Kumla-Klöße. Kumla ist ein traditionelles norwegisches Gericht, das je nach Region auch Raspeball, Komle oder Klubb genannt wird. Es handelt sich um deftige Kartoffelklöße, die meist aus geriebenen rohen Kartoffeln, gekochten Kartoffeln, Mehl und etwas Salz zubereitet werden. Celia bereitete eine einfache und gesunde Camper-Variante zu.
Direkt am Fjord fand Celia außerdem Hirtentäschel. Dieses unscheinbare Wildkraut wächst oft an Wegrändern, auf mageren Böden und an offenen Stellen. Seine kleinen herzförmigen Schötchen sind leicht zu erkennen und passen geschmacklich wunderbar zu herzhaften Gerichten. Hirtentäschel hat eine leicht würzige, kresseartige Note und machte sich sehr gut in der Brühe zu den Kumla-Klößen.
Danach war allerdings nicht nur Reiseidylle angesagt. Celia musste arbeiten, telefonieren, organisieren und klären. Auch das gehört zum Vanlife als digitale Nomadin dazu. Die schönsten Plätze der Welt ändern nichts daran, dass Aufträge, E-Mails, Rechnungen, Routenplanung und Lebensorganisation weiterlaufen.
Am nächsten Tag ging es weiter über Bardufoss und Narvik zum Ofotfjord.
Die E6 – mal Wald, mal Fjord, mal Felswand, mal Tunnel, mal Brücke
Die E6 blieb eine der spannendsten Straßen dieser Reise. Mal führte sie weiter ins Landesinnere durch Wälder und offene Strecken, dann wieder eng an Felswänden entlang direkt am Fjord. Es ging durch Tunnel, über Brücken, vorbei an Wasserfällen und immer wieder öffnete sich plötzlich ein neues Panorama. An einem Sami-Shop hielt Celia an und gönnte sich eine Tasse warme Suppe. Die langen Fahrtage, die hellen Nächte und die vielen Eindrücke forderten langsam ihren Tribut. Am Abend erreichte sie einen Rastplatz in der Nähe der Sjombrua-Brücke recht erschöpft, wenn auch glücklich und voller Staunen.
Weiter Richtung Süden zum Polarkreis
Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Süden. Die Strecke führte an Fjorden entlang, hinauf und hinunter, durch viele Tunnel und durch Landschaften mit so verrückten Bergen, wie zum Beispiel der Thors Amboss. Ein Stück der E6 war tatsächlich nur mit der Fähre zu fahren. Celia freute sich darüber, denn die Fährfahrt war wie eine kleine Pause. Danach ging es mehr ins Landesinnere, die schwedische Grenze war in dieser Ecke nicht weit entfernt. Schließlich überquerte Celia bei nur 7 Grad wieder den Polarkreis in südlicher Richtung. Etwa 80 Kilometer später kam sie in Mo i Rana an, das südlich des Polarkreises liegt, aber noch zu Nordland und damit zu Nord Norwegen gehört. Dort arbeitete Celia, fror zum ersten Mal wieder etwas und merkte erleichtert, dass es inzwischen wieder so etwas wie leichte Dunkelheit und richtige Nächte gab.
Durch Nordland nach Mittelnorwegen zum Storelgen – der größte Elch von Norwegen
Am nächsten Tag verließ Celia Nordland. So hieß die Region, die sie einige Tage durchfahren hatte. Sie fuhr fast bis Trondheim durch Mittelnorwegen bis zum Storelgen. Diese riesige Elchskulptur steht in der Nähe von Atna in Stor-Elvdal in der Region Hedmark.
Mit 10,3 Metern Höhe war Storelgen lange die höchste Elchskulptur der Welt, bis er 2019 vom kanadischen „Mac the Moose“ übertroffen wurde. Geschaffen wurde er von der norwegischen Künstlerin Linda Bakke in Zusammenarbeit mit der Norwegischen Straßenverwaltung. Die Skulptur soll auf Wildtiere im Straßenverkehr aufmerksam machen und damit zur Verkehrssicherheit beitragen.
Das passt gut, denn die Region Stor-Elvdal hat eine der größten Elchpopulationen Norwegens. Der riesige silberne Elch ist deshalb nicht nur eine kuriose Sehenswürdigkeit, sondern auch ein Symbol für diese Gegend.
Tyre Camping und der ganz normale Camper Vanlife Alltag
Nach vielen autarken Tagen checkte Celia auf dem Campingplatz Tyre-Camping ein. Das war dringend nötig, denn die letzte Haarwäsche lag drei Wochen zurück.
So romantisch Vanlife manchmal klingt: Irgendwann müssen Wasser, Dusche, Wäsche, Abwasch, Entsorgung und Ordnung einfach sein. Besonders nach vielen Tagen autark im Norden merkt man, wie wertvoll ein guter Campingplatz sein kann.
Tyre-Camping war wunderschön ruhig, naturnah und liebevoll gestaltet. Besonders angenehm: Man konnte ohne Zeitlimit duschen. Das klingt vielleicht banal, ist aber nach Wochen unterwegs ein echter Luxus.
Am nächsten Tag hatte Celia eine riesige Tour geplant: 581 Kilometer. Sie wollte früh losfahren, aber daraus wurde nichts. Erst kamen viele Aufträge rein, und sie arbeitete bis fast 11 Uhr. Erst danach konnte sie starten.
Die Fahrt zog sich wie Kaugummi. In Oslo stand Celia gegen 15 Uhr im großen Feierabendstau auf der E6. Nach all den weiten Landschaften, Fjorden und stillen Straßen fühlte sich dieser Verkehr fast brutal an. Am Ende dieses Tages war klar: Celia war sehr viel gefahren, hat sehr viel gesehen und Nord-Norwegen hatte sie tief beeindruckt.
Tipps für Camper und Vanlifer in Nord Norwegen
Nord-Norwegen ist ein beeindruckendes Reiseziel für Camper und Vanlifer, aber man sollte die Distanzen nicht unterschätzen. Die Landschaft ist grandios, doch die Strecken sind lang, kurvig, manchmal schmal und anspruchsvoll.
Rentiere auf der Straße: In Nord Norwegen sollte man immer mit Rentieren auf und neben der Straße rechnen. Besonders im Gebiet der Samen kreuzen immer wieder ganze Herden die Fahrbahn. Langsam fahren, Abstand halten und nicht drängeln ist wichtig. Die Tiere reagieren nicht wie Wildtiere in Mitteleuropa, sondern bleiben manchmal einfach stehen oder laufen vor dem Fahrzeug her.
Autark stehen: Im Norden findet man noch viele schöne Plätze, besonders an Fjorden, Flüssen und Seen. Trotzdem sollte man nicht davon ausgehen, dass man mit dem Camper überall einfach frei stehen darf. Das norwegische Jedermannsrecht, der sogenannte Allemannsretten, erlaubt grundsätzlich den freien Zugang zur Natur und auch das Zelten auf unbewirtschaftetem Land. Es gilt aber vor allem für Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, und nicht automatisch für motorisierte Fahrzeuge.
Für Zelte gilt in Norwegen meist die bekannte 150-Meter-Regel: Man sollte mindestens 150 Meter Abstand zu bewohnten Häusern und Hütten halten und ohne Erlaubnis nicht länger als zwei Nächte am gleichen Ort bleiben. Für Camper ist diese Regel aber kein Freibrief, weil das Fahrzeug selbst an erlaubten oder geduldeten Parkflächen stehen muss.
Im hohen Norden ist autarkes Stehen oft noch entspannter möglich, wenn man rücksichtsvoll ist und gute Plätze wählt. Je weiter man Richtung Süden kommt oder je touristischer eine Region wird, desto mehr sollte man nach offiziellen Parkplätzen, Rastplätzen, Wohnmobilstellplätzen oder Campingplätzen schauen. Am schönsten bleibt das freie Stehen ohnehin dann, wenn man sich unauffällig verhält, nichts zurücklässt und den Platz sauberer verlässt, als man ihn vorgefunden hat.






















